2 Arten Dinge zu tun - Inspiration & Motivation
- Matthias Mayer
- vor 5 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Hier sind zwei grundlegend unterschiedliche Arten, Dinge zu tun.
1. Handlungsmodus – motivierte Handlung
Das ist wahrscheinlich der häufigste. Er beginnt mit einer Intention. Du willst etwas, und dann handelst du, um es zu bekommen. Meistens weiß man auch, warum man es willst.
Wenn man genauer hinschaut, ist die Struktur eigentlich sehr einfach:
I → A → Z → G
I = Intention
A = Handlung / Aktion
Z = Ziel
G = Gefühl
Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würden wir handeln, um Ziele zu erreichen. Aber wenn man weiter fragt „Warum will ich das?“, geht es in der Antwort fast immer um ein Gefühl. Wahrscheinlich könnten wir uns, wenn wir nichts fühlen würden, einfach nicht dafür interessieren.
Du isst → um Hunger zu stillen → um dich gut zu fühlen
Du suchst Sicherheit → um Stress zu vermeiden → um dich ruhig zu fühlen
Die Idee ist also:
Z ≈ G
Ziele sind nur Stellvertreter für gewünschte Gefühle.
Man könnte sogar noch einen Schritt weiter gehen und sagen:Alle motivierte Handlung zielt darauf ab, deinen inneren Zustand des subjektiven Erlebens zu verbessern.
2. Handlungsmodus – inspirierte Handlung
Der zweite Modus funktioniert ganz anders. Er beginnt nicht mit einer klaren Intention oder einem Ziel. Er beginnt mit etwas viel Kleinerem, das ich nenne:
→ ein „Spark“ (oder Funke… klingt weird in deutsch)
Ein Moment von Interesse, Begeisterung, Faszination (in unterschiedlicher starker Ausprägung). Von dort aus beginnt die Handlung fast automatisch – sie „flowt“ aus diesem Gefühl heraus.
Du weißt nicht genau, wohin es führen wird. Es gibt meist nur eine grobe Richtung, der du folgst, geleitet von intuitivem Gefühl.
Anstatt zuerst zu planen und dann zu handeln, fühlt es sich eher so an:
S → A → Z
S = Spark
A = Handlung
Z = Ziel (entsteht mit der Zeit)
Erfahrungsgemäß ist das Ziel am Anfang nicht definiert, beziehungsweise es ist unklar ob es überhaupt eines gibt. Es ist eher eine grobe Richtung, von der wir durch unser Interesse angezogen werden, ohne zu wissen welchen Benefit wir daraus kriegen könnten. Ich würde es „neutrales Interesse“ nennen. Und wenn wir dem folgen, kristallisiert sich üblicherweise nach und nach etwas immer Spezifischeres heraus. Beispiel:
Ein sehr gutes Beispiel um diesen Prozess zu illustrieren ist wahrscheinlich, wie die meisten Menschen mit Parkour oder einer anderen Leidenschaft angefangen haben. Sie haben Parkour irgendwo gesehen, und dann gab es diesen Moment von „Boom“, und es war klar, dass sie es ausprobieren wollen. Und 10 Jahre später erkunden sie immer noch dieselbe Sache und haben eine vielfältige Entwicklung hinter sich.Dieser Funke muss nicht immer ein „Boom“ sein, wie gerade beschrieben, er kann auch nur ein leichtes Interesse sein – ich würde sagen, es ist die gleiche Art von Gefühl, nur mit unterschiedlicher Intensität.
So oder so ist die Qualität eine andere als bei Motivation:
Es wird nicht von einem vorher definierten Bedürfnis angetrieben
Es geht nicht darum, etwas zu reparieren
Es fühlt sich eher an, als würde man gezogen werden, statt zu schieben
Es sieht aus wie eine Ente, es quakt wie eine Ente… aber ist es eine Ente?
An dem Punkt, an dem sich im Inspirationsprozess etwas Konkretes herauskristallisiert hat, beginnt der Prozess dem ersten Modus sehr zu ähneln. Denn sehr oft bist du zu Dingen inspiriert, die du noch gar nicht kannst – also fängst du an, es herauszufinden und darauf hinzuarbeiten. Trotzdem war der Ausgangspunkt ein ganz anderer als bei motivierter Handlung, und auch das Ergebnis ist es.
Auch die Art, wie sich dieses „darauf hinarbeiten“ anfühlt, unterscheidet sich in diesen beiden Modi deutlich. Motivierte Handlung kann schnell anstrengend werden, weil du sie offensichtlich nur machst, um das Ergebnis zu erreichen. Während inspirierte Handlung von einem kontinuierlichen Interesse getragen wird.
Deshalb fühlt sich Parkour für die meisten Menschen nicht wirklich wie harte Arbeit an, obwohl sie objektiv gesehen ziemlich hart arbeiten. Am Ende ist es eher erfüllend als erschöpfend.
Inspiration lebendig halten
In meiner Erfahrung ist der inspirierte Modus mit Abstand die spaßigste Art zu trainieren und generell Dinge zu tun. Und wenn wir es schaffen, den Fokus mehr auf diesen Modus zu legen, bleibt Inspiration lebendig und frisch – und damit auch die Freude an der Aktivität.
Das erfordert jedoch Übung, um den Unterschied zwischen diesen beiden Modi wirklich zu verstehen und zu fühlen, und auch zu spüren, welcher Modus gerade aktiv ist, wenn wir trainieren.
Ich denke, das ist eine Art Meta-Rahmen, in dem dein gesamtes Training stattfindet. Deshalb ergibt es keinen Sinn, diesem Aspekt weniger Aufmerksamkeit zu geben als zum Beispiel den mechanischen Aspekten beim Erlernen eines Tricks.
Ich denke es ist safe to say, dass wir kulturell maximalen Fokus auf den ersten Handlungsmodus legen, während der zweite nahezu komplett vernachlässigt wird. Es wirkt fast so, als würde er als eine seltsame Fähigkeit seltener kreativer Menschen abgetan, die Dinge einfach tun.
Wenn man sich jedoch die einfache Struktur inspirierter Handlung anschaut, bin ich überzeugt, dass das eher ein Märchen ist, mit dem wir aufwachsen sind. Ich denke wir leben einfach in einer Zeit, die dem Denken sehr viel Bedeutung gibt als dem intuitiven Fühlen – obwohl es maximal natürlich ist und die Basis allen kreativen Tuns.

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